Die KI-Suche dominieren: Was die grösste Vergleichsstudie enthüllt

Basierend auf dem Paper "Generative Engine Optimization: How to Dominate AI Search" von Chen, Wang, Chen & Koudas (University of Toronto). Veröffentlicht im September 2025.

Paper: arXiv:2509.08919


Die Frage, die sich alle stellen

ChatGPT, Perplexity, Gemini — diese KI-Suchmaschinen ersetzen für immer mehr Nutzer nach und nach Google. Aber wie wählen diese Systeme ihre Quellen aus? Sind sie Google ähnlich, oder funktionieren sie grundlegend anders?

Dieses Paper liefert die ersten empirischen Antworten in grossem Massstab. Die Forscher der University of Toronto führten kontrollierte Experimente über mehrere Branchen, Sprachen und Anfrageformulierungen durch, um KI-Suche mit traditioneller Websuche zu vergleichen.


Das Protokoll: Ein massiver Vergleich

Die Forscher verglichen systematisch:

  • Google (traditionelle Suche)
  • Mehrere KI-Suchmaschinen (ChatGPT, Perplexity, Gemini)

Über mehrere Dimensionen:

  • Welche Quellentypen werden bevorzugt?
  • Welche Domänenvielfalt?
  • Welche Aktualität der Inhalte?
  • Welche Stabilität zwischen den Sprachen?
  • Welche Empfindlichkeit gegenüber Anfrageumformulierungen?

Entdeckung Nr. 1: Die massive Tendenz zu "Earned Media"

Das ist das auffälligste Ergebnis des Papers. Die Forscher klassifizieren die Quellen in drei Kategorien:

Medientyp Definition Beispiele
Brand-owned (eigene Medien) Von der Marke erstellter und kontrollierter Inhalt Offizielle Website, Unternehmensblog
Earned (verdiente Medien) Unabhängiger, autoritativer Drittinhalt Presseartikel, Wikipedia, Expertenbewertungen
Social Inhalte sozialer Medien Reddit, Twitter, Foren

Google präsentiert einen relativ ausgewogenen Mix dieser drei Typen.

KI-Suchmaschinen zeigen eine überwältigende und systematische Tendenz zu "Earned Media" — autoritativen Drittquellen. Marken-eigener Inhalt und Social-Media-Inhalt werden weitgehend ignoriert.

Konkret: Wenn Sie eine Marke sind und auf Ihre eigene Website setzen, um in der KI-Suche sichtbar zu sein, haben Sie ein Problem. KI-Suchmaschinen bevorzugen, was andere über Sie sagen, gegenüber dem, was Sie über sich selbst sagen.


Entdeckung Nr. 2: Jede KI-Suchmaschine ist anders

Anders als man vermuten könnte, verhalten sich nicht alle KI-Suchmaschinen gleich:

  • Domänenvielfalt — manche Suchmaschinen zitieren viele verschiedene Quellen, andere konzentrieren sich auf wenige Domänen
  • Aktualität — manche bevorzugen aktuelle Inhalte, andere nicht
  • Sprachübergreifende Stabilität — dieselbe Anfrage auf Englisch und Deutsch kann sehr unterschiedliche Quellen liefern
  • Empfindlichkeit gegenüber Umformulierungen — eine Frage leicht umzuformulieren kann die zitierten Quellen komplett verändern

Das bedeutet, dass eine GEO-Strategie, die auf ChatGPT funktioniert, nicht unbedingt auf Perplexity oder Gemini funktioniert. Die Optimierung muss suchmaschinenspezifisch sein.


Entdeckung Nr. 3: Der "Big-Brand-Bias"

KI-Suchmaschinen neigen dazu, grosse, bekannte Marken zu bevorzugen. Nischenakteure und kleine Unternehmen sind in den generierten Antworten systematisch unterrepräsentiert.

Das ist ein interessantes Paradoxon im Vergleich zum GEO-Grundlagenpapier, das zeigte, dass GEO kleinen Websites helfen kann. Die Realität ist differenzierter: GEO kann Kleinen helfen, an Sichtbarkeit zu gewinnen, sobald sie im Pool der berücksichtigten Dokumente sind, aber die anfängliche Tendenz der KI-Suchmaschinen bevorzugt grosse Marken beim Eintritt in diesen Pool.


Die 4 strategischen Säulen des GEO laut dieser Studie

Basierend auf ihren empirischen Ergebnissen formulieren die Forscher eine strategische Agenda in 4 Punkten:

1. Content Engineering für Maschinen

Ihr Inhalt muss für eine Maschine scanbar und verifizierbar sein. Das bedeutet:

  • Klare und überprüfbare Aussagen
  • Strukturierte Daten
  • Zitierte Quellen, die das LLM verifizieren kann

2. "Earned Media" dominieren

Da KI-Suchmaschinen Drittquellen massiv bevorzugen, ist die effektivste Strategie, andere über Sie sprechen zu lassen. Presseartikel, Erwähnungen in autoritativen Publikationen, Expertenmeinungen — das ist es, was KI-Suchmaschinen wertschätzen.

3. Suchmaschinen- und sprachspezifische Strategien

Es gibt keine universelle Strategie. Jede KI-Suchmaschine hat ihre eigenen Verzerrungen und Präferenzen. Ebenso variiert das Verhalten je nach Sprache der Anfrage. Die Optimierung muss angepasst werden.

4. Den "Big-Brand-Bias" überwinden

Für Nischenakteure liegt der Schlüssel im Aufbau einer von der KI wahrgenommenen Autorität durch Glaubwürdigkeitssignale: Zitate, Daten, Erwähnungen in autoritativen Quellen.


Was sich gegenüber dem klassischen GEO ändert

Das GEO-Grundlagenpapier konzentrierte sich auf wie Sie Ihren eigenen Inhalt modifizieren (Statistiken hinzufügen, Quellen zitieren usw.). Diese Studie fügt eine entscheidende Dimension hinzu: Am wichtigsten ist, was andere über Sie sagen.

Das ist ein Paradigmenwechsel. GEO ist nicht nur eine On-Page-Optimierungsübung — es ist auch eine PR-Strategie und ein Aufbau von Autorität.


Praktische Implikationen

  • Für Marken: Investieren Sie genauso viel in PR und Earned Media wie in die Optimierung Ihrer Website
  • Für Content-Ersteller: Positionieren Sie sich als autoritative Quelle in Ihrer Nische
  • Für SEO-Experten: GEO erfordert unterschiedliche Strategien je nach anvisierter KI-Suchmaschine
  • Für kleine Unternehmen: Konzentrieren Sie sich auf den Aufbau von Autorität durch Erwähnungen Dritter

Paper: Chen, M., Wang, X., Chen, K., & Koudas, N. (2025). Generative Engine Optimization: How to Dominate AI Search. arXiv:2509.08919